Archiv für den Monat: Januar 2017

Forschungsprojekte, Lehrveranstaltungen, Konferenzen

Published / by Claudia
seit 11/2014 Sachbearbeiterin im Kooperationsprojekt der Zentralen österreichischen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien »Die Tierärztliche Hochschule Wien im Nationalsozialismus«
(Förderung durch: Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschungen)
11/2014 – 06/2017 Key Researcherin im DÖW-Projekt »Vertreibung und Vernichtung. Neue quantitative und qualitative Forschungen zu Exil und Holocaust«
(Förderung durch: Jubiläumsfonds der österreichischen Nationalbank, Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz)
05/2010 –
10/2017
Sachbearbeiterin (seit 12/2011 auch Koordinatorin) im DÖW-Projekt »Vertreibung – Exil – Emigration. Die österreichischen NS-Vertriebenen im Spiegel der Sammlung der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Hugo Ebner«
(Förderung durch Nationalfonds der Republik Österreich, Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) Referat Wissenschafts- und Forschungsförderung, Zukunftsfonds der Republik Österreich, Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz)
01/2015 – 04/2016 Organisation und Koordination des Gedenkprojekts »1945_Engerau_2015 /  Gestern_Südostwall.Gedenken_Heute«
(Förderung durch: Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Land Niederösterreich, Stadt Wien)
11/2014 – 04/2016 Koordinatorin und Sachbearbeiterin im DÖW-Projekt »Pensionsakten der österreichischen NS-Vertriebenen auf der Grundlage der Akten der Rechtsanwaltskanzleien von Dr. Egon Steinbach und Dr.in Philippine Fischer als Quelle zur Holocaust- und Exilforschung«
(Förderung durch: Nationalfonds der Republik Österreich, Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) Referat Wissenschafts- und Forschungsförderung)
05/2013 – 01/2014 Erstellung eines Gutachtens im Auftrag der Gemeinde Amstetten über den ehemaligen Vizebürgermeister und NS-Landrat Paul Scherpon
11/2012 – 05/2013 Koordination des DÖW-Projekts »Österreicher und Österreicherinnen als TäterInnen im Lagerkomplex des KZ Auschwitz« (Forschungsprojekt für einen Teilbereich der Neugestaltung der Österreichischen Gedenkstätte im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau)
(Förderung durch: Nationalfonds der Republik Österreich)
01/2012 – 05/2013 Sachbearbeiterin im Forscherteam der Untersuchungskommission zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Städtischen Kinderheim Schloss Wilhelminenberg
01/2009 – 12/2010 Sachbearbeiterin und Koordinatorin im FStN-Projekt »Der Komplex Lublin-Majdanek und die österreichische Justiz«
(Förderung durch: Bundesministerium für Justiz, Jubiläumsfonds der österreichischen Nationalbank)
01/2008 – 06/2009 Sachbearbeiterin im vom „Verein Erinnern für die Zukunft“ durchgeführten Projekt »Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungsstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in Österreich«
(Förderung durch: Jubiläumsfonds der österreichischen Nationalbank)
01/2006 – 12/2008 Sachbearbeiterin im DÖW-Projekt »Namentliche Erfassung der Opfer politischer Verfolgung 1938-1945«
01/ – 12/2005 Sachbearbeiterin im FStN-Projekt »Justiz und NS-Gewaltverbrechen in Österreich. Regionale Besonderheiten und Vergleich mit Deutschland«
(Förderung durch: Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschungen)
01/2002 – 12/2004 Sachbearbeiterin im vom „Verein zur Förderung justizgeschichtlicher Forschungen“ durchgeführten Projekt »Gesellschaft und Justiz – Entwicklung der rechtlichen Grundlagen, öffentliches Echo und politische Auseinandersetzung um die Ahndung von NS-Verbrechen in Österreich«
(Förderung durch: Jubiläumsfonds der österreichischen Nationalbank)
2000 – 2007 Projektkoordination und -management im vom DÖW, dem „Verein zur Erforschung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und ihrer Aufarbeitung“, der Universität Graz/Abteilung Zeitgeschichte sowie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften/Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte (Forschungsprogramm „Orte des Gedächtnisses“) durchgeführten Kooperationsprojekt »Gedenken und Mahnen in Niederösterreich und der Steiermark«
(Förderung durch Jubiläumsfonds der österreichischen Nationalbank, Nationalfonds der Republik Österreich, NÖ Landesregierung Büro Wolfgang Sobotka, Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) Referat Wissenschafts- und Forschungsförderung, Land Steiermark und Stadt Graz)
10/2000 – 12/2004 Projektkoordination und -management im vom „Verein zur Förderung justizgeschichtlicher Forschungen“ durchgeführten Datenbank-Projekt »EDV-gestützte Erschließung der Volksgerichtsakten im Oberösterreichischen Landesarchiv«
(Förderung durch: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur)
03/2000 – 12/2002 Sachbearbeiterin im Forscherteam der Historikerkommission der Republik Österreich und Leitung des Projekts »Vermögensentzug bei politisch verfolgten Personen (der NS-Zeit)«
07/1996 – 06/1998 Sachbearbeiterin im DÖW-Projekt »Die Nachkriegsjustiz als nicht-bürokratische Form der Entnazifizierung: Österreichische Justizakten im europäischen Vergleich (strafprozessualer Entstehungszusammenhang und Verwertungsmöglichkeiten für die historische Forschung)«
(Förderung durch: Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschungen)
01/1995 – 01/1998 Mitarbeiterin des DÖW-Projekts »Gedenken und Mahnen in Wien. Gedenkstätten zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung«
04/1993 – 03/1996 Sachbearbeiterin im DÖW-Projekt »Die Verfahren vor dem Volksgericht Wien (1945–1955) als Geschichtsquelle«
(Förderung durch: Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschungen)

Lehrveranstaltungen

WS 2012/13 und SS 2012 Forschungsseminar »War – Gender – Justice. Die Ahndung von Verbrechen an Frauen in bewaffneten Konflikten« am Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse an der Universität Marburg/Lahn in Kooperation mit dem Institut für Friedens- und Konfliktforschung (gemeinsam mit Wolfgang Form)
SS 2011 Interdisziplinäre Ringvorlesung an der Universität Wien (Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte sowie Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien in Kooperation mit der Forschungsstelle Nachkriegsjustiz): »Gerechtigkeit nach Krieg und Diktatur« (gemeinsam mit Brigitte Bailer, Winfried R. Garscha und Ilse Reiter-Zatloukal)
12/2015, 10/2013 und 05/2014, 10/2011 und 05/2012 sowie 12/2009 und 03/2010 Organisation und Durchführung eines Curriculums Justizgeschichte im Rahmen der Ausbildung von RichteramtsanwärterInnen (im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz); Themenschwerpunkte: österreichische und internationale Rechtsgeschichte, Anwendung des internationalen Völkerstrafrechts bei Kriegs- und Humanitätsverbrechen (gemeinsam mit Oliver Scheiber und Winfried R. Garscha)
WS 2007/2008 Forschungsseminar »Die Kategorie Geschlecht bei der justiziellen Ahndung von Kriegs- und Humanitätsverbrechen« am Institut für Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Marburg/Lahn (gemeinsam mit Wolfgang Form, Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse)
WS 1999/2000 Interdisziplinäre Vorlesung an der Universität Linz / Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte mit dem Institut für österreichische Rechtsgeschichte der Universität Linz zum Thema »“Dauernd aufzubewahren“. Politische Strafakten am Beispiel von Linzer Nachkriegsprozessen zur so genannten „Mühlviertler Hasenjagd“ im Februar 1945«
WS 1998 Sonderlehrveranstaltung an der Universität Linz / Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte zum Thema „»Dauernd aufzubewahren“. Politische Strafakten am Beispiel von Linzer Nachkriegsprozessen zum KZ Mauthausen«

Konferenzmanagement

10/2010

(gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien)

Evaluierungskonferenz im Rahmen des Projekts »Der Komplex Lublin-Majdanek und die österreichische Justiz« mit Enquête (im Rahmen der „Wiener Vorlesungen“) »Gegenüberstellung: Die Konfrontation von Opfern und TäterInnen in Kriegsverbrecherprozessen«
http://www.nachkriegsjustiz.at/aktuelles/Majdanek-Konferenz_Programm.php
11/2008 Internationale Konferenz »Nachkriegsprozesse als Bestandteil von Transitional Justice und als Impulsgeber für die NS-Forschung« mit Podiumsdiskussion »Wozu heute noch NS-Prozesse?«
http://www.nachkriegsjustiz.at/aktuelles/10_Jahre_FStN.php

02/2008

(gemeinsam mit der Österreichischen Liga für Menschenrechte)

Internationales Symposion »Mit dem Tod bestraft. Die Todesstrafe in Österreich im 20. Jahrhundert«
http://www.nachkriegsjustiz.at/service/archiv/ankuend_symposium_todesstrafe.php

03/2006

(gemeinsam mit dem Institut für Österreichische Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung der Karl-Franzens-Universität Graz)

Internationales Symposium »Genocide on trial. Von den Nürnberger und Tokioter Kriegsverbrecherprozessen und der Ahndung von Holocaustverbrechen im europäischen Kontext bis zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag«
http://www.nachkriegsjustiz.at/aktuelles/Graz_Maerz_2006.php
08/2005 Symposion »Vor 60 Jahren. Im Namen der Republik. Der erste Prozess wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen an ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern in Österreich. Hintergründe und Wirkungsgeschichte«
http://www.nachkriegsjustiz.at/aktuelles/sympos050817.php
06/1996 Internationales Symposium »Entnazifizierung und Nachkriegsprozesse«

 

Historischer Hintergrund

Published / by Claudia

Das Lager für ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter in Engerau

Ende November / Anfang Dezember 1944 kamen ca. 2.000 ungarische Juden mit einem Transport aus Bu­dapest am Bahnhof von Engerau (Petržalka, Bratislava) an. Sie wurden in alten Baracken, Bau­ern­hö­fen, Scheunen, Ställen und Kellern der Ortsbevölkerung einquartiert und mussten Skla­ven­ar­beit im Rah­men des so genannten Südostwallbaues leisten – eine militärisch sinnlose und viele Opfer for­dern­de Maßnahme, um die vorrückende Rote Armee in ihrem Vormarsch Rich­tung Westen aufzuhalten.
Das Lager Engerau bestand aus mehreren Teillagern, die von großteils aus Wien stammenden SA-Män­nern sowie von „Politischen Leitern“ bewacht wurden. Die Lebensumstände im Lager Engerau wa­ren katastrophal. Täglich starben Häftlinge an den menschenunwürdigen Bedingungen, an Hunger, Käl­te und Entkräftung. Andere wurden von Angehörigen der Wachmannschaft „auf der Flucht erschossen“, er­schlagen, oder waren zur „Liquidation“ freigegeben worden, wofür einige SA-Männer „zur besonderen Ver­wendung“ abgestellt waren. Eine von der slowakischen Regierung im April 1945 zusammengestellte Kom­mission exhumierte mehr als 500 Leichen, die auf dem Friedhof von Petržalka bestattet sind und er­richtete mehrere Gedenksteine, die auch heute noch existieren.

Die Evakuierung des Lagers am 29. März 1945

Am 29. März 1945 wurde das Lager Engerau evakuiert. Der Marsch der Gefangenen führte über Wolfs­thal und Hainburg nach Bad Deutsch-Altenburg. Dabei erschossen SA-Männer und „Politische Leiter“ mehr als hundert Personen. Auf dem Gelände des heutigen Kurparks an der Donau in Bad Deutsch-Al­ten­burg mussten die ungarischen Juden auf ihren Weitertransport war- ten. Während des Transportes auf Schleppkähne nach Mauthausen kamen zahlreiche Gefangene durch Erschießen oder Verhungern um. Nach einer siebentägigen Fahrt wurden sie in das Konzentrationslager eingewiesen. Aufgrund der dort vorherrschen- den Überbelegung wurden sie auf einen weiteren Marsch von Mauthausen in das Wald­lager Gunskirchen bei Wels getrieben, wo ebenfalls unzählige Menschen starben. Anfang Mai 1945 befreiten US-Truppen die wenigen Überlebenden.

Die Engerau-Prozesse

Bereits am 15. Mai 1945 erstattete einer der an den Verbrechen in Engerau beteiligten SA-Männer in Wien Anzeige. Diese zog die umfangreichsten und am längsten andauernden gerichtlichen Ermittlungen we­gen NS-Verbrechen in der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte Österreichs nach sich. Zwischen 1945 und 1954 fanden in Wien – vor von der österreichischen Regierung eigens zum Zwecke der Ahn­dung von NS-Verbrechen installierten Gerichten – zahlreiche Prozesse statt, sechs davon erhielten die Be­zeichnung „Engerau-Prozesse“. Der 1. Engerau-Prozess im August 1945 war gleichzeitig der erste Pro­zess wegen NS- Gewaltverbrechen in Österreich. In den insgesamt sechs Engerau-Prozessen wa­ren 21 ehemalige SA-Männer und „Politische Leiter“ angeklagt. Neun von ihnen wurden zum Tode ver­ur­teilt und hingerichtet, einer erhielt eine lebenslange Haftstrafe, einer 20 Jahre, einer 19 Jahre. Ein An­ge­klagter wurde freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelte in der Strafsache Engerau ge­gen 72 Personen.

Der Gedächtnisraum Engerau – ein Ort transnationaler Gedenkkultur

Seit dem Jahr 2000 führt die Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz (Organisation: Dr.in Claudia Kuretsidis-Haider) alljährlich Ende März rund um den Jahrestag der Räumung des Lagers En­gerau und der darauffolgenden Massaker eine „Gedenkfahrt“ durch. Am Beginn der Gedenkfahrt fin­det jedes Jahr beim in den 1950er Jahren errichteten Mahnmal an die Opfer des Lagers Engerau auf dem Friedhof von Petržalka eine Kundgebung statt, an der neben den TeilnehmerInnen der Bus­ex­kur­si­on zahlreiche Menschen aus Bratislava sowie VertreterInnen der österreichischen und israelischen Bot­schaft, der jüdischen Gemeinde sowie der Stadt Bratislava anwesend sind.

Während auf slowakischer Seite mit einem Mahnmal und Grabsteinen auf dem Friedhof in Petržalka bereits in den ersten Nachkriegsjahren ein sichtbares Zeichen der Erinnerung an die ungarischen Juden des Lagers Engerau gesetzt wurde, fehlte auf niederösterreichischer Seite mehr als 60 Jahre lang eine ähnliche Initiative. Hier existierte außer einem „Kriegsgrab“ auf dem Friedhof in Bad Deutsch-Altenburg, wo die Herkunft der Bestatteten nicht kontextualisiert war, bis März 2011 im öffentlichen Raum kein sichtbares Gedenken für die Toten von Engerau. Auf Initiative des Bürgermeisters von Wolfsthal Gerhard Schödinger und des Ortspfarrers Pater Ernst Walecka wurde am 27. März 2011 in der Ortsmitte vor der Kirche ein Gedenkstein enthüllt und damit ein erstes Zeichen des Gedenkens in Österreich gesetzt. 2015 wurde an die Stelle des „Kriegsgrabes“ in Bad Deutsch-Altenburg eine Grabplatte mit neuer Textierung angebracht und der Grabstein erneuert. Am 29. März 2017 wurde auf Initiative der Zentralen österreichischen Forschungsstelle von den Justizministern aus der Slowakei, Ungarn und Österreich eine Gedenktafel für die Opfer des Lagers Engerau im Eingangsbereich des Restaurants Leberfinger, wo sich eines der Teillager von Engerau befand, enthüllt.
Am 29. März 2018 erfolgte in Hainburg die Einweihung eines Erinnerungszeichen im Gedenken an die Opfer des „Todesmarsches“.